Straße der Experimente 2012
Wie schon öfters erwähnt aktivieren Naturwissenschaften bei manchen Menschen Fluchtinstinkte. Um diesem Phänomen entgegen zu wirken und Ottonormalverbraucher die Wissenschaften schmackhaft zu machen hat die Uni Gießen auch in diesem Jahr die “Straße der Experimente” abgehalten. Da letzten Sonntag bester Sonnenschein herrschte hab ich auch mal dort vorbei geschaut und hab den naturwissenschaftlichen Jahrmarkt vor dem Uni Hauptgebäude mal auf mich wirken lassen.

Thematisch war das Angebot ebenso vielfältig, wie die Herkunft der Ausstellenden. Vom Kindergarten bis zur Uni alles vertreten. Physik, Biologie und Chemie… Allerdings auch ein Philosophen(?)-Stand. Wie “Lasse deine Philosophie überprüfen” zum Thema Experimente passt überlasse ich dann mal den Experten zur Diskussion.
Fangen wir mal mit der wissenschaftlichen Früherziehung an: So hat ein Kindergarten zur Schau gestellt, welche Auswirkungen es auf das Pflanzenwachstum hat, wenn man den Pflanzen Nährstoffe, Luft oder Wasser entzieht:

Warum hat es sowas nicht damals auch bei uns im Kindergarten gegeben ? Das wäre doch mal ein lehrreiches Kontrastprogramm gewesen. Bei uns gab es damals nur ABM Maßnahmen wie Ausstechen von verschiedenen Formen aus Pappe. Ein weiteren Pluspunkt gibt es von mir, weil der Versuch mich ein wenig an die Versuche zur Pflanzenernährung des alten Liebig erinnert. ![]()

Aus dem Gebiet der Elektrotechnik gab es diese beiden Krabbelviecher. Durch die Rotation eines Propellers in Schwingungen versetzt, krabbeln diese beiden “Borstenviecher” wie eine Art Insekt. Die kleine Variante mit den Augen konnte vor Ort vom Interessierten Besucher zusammengebastelt werden. Wenn es um Wissenschaft zum Anfassen geht, darf natürlich auch das hier in Gießen ansässige Mathematikum nicht fehlen. So hat das Team des Mathematikums einen Teil seiner Exponate Marke “Mathematik zum Anfassen” in einen Pavillion auf der Strasse der Experimente verlagert. Hier z.B. zu sehen ist eine Art Brücke, die ohne Nägel & Schrauben oder andere Befestigungsmaßnahmen das Gewicht eines ausgewachsenen Mannes tragen kann:

Schließlich waren auch die Freiwillige Feuerwehr Gießen und das DRK anwesend um ihre neusten technischen Errungenschaften zu präsentieren. Während die Feuerwehr das Funktionsprinzip eines Druckluft-Hebekissens demonstrierte, gab es beim DRK die Vorführung eines videogestützen Intubationsbestecks für die Großen und eine Verbandsstation für Kuscheltiere für die Kleinen.
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Etwas wunderlich wurde es erst als ich folgenden Stand besuchte, bei dem die Nullpunktsenergie des Quantenvakuums/Raumenergie (oder so ähnlich) als wahrhaft unerschöpfliche, kostengünstige und allgemein zugängliche Energiequelle angezapft wurde. Mittels eines Rotors in einem elektrostatischen Feld wird dort “zweifelsfrei die Umwandlung von Raumenergie in herkömmliche Energie mit einem Wirkungsgrad von 5000 %” demonstriert (so beschreibt es der mir ausgehändigte Infozettel). 5000 %… Das ist schon eine enorme Zahl. Schlägt man jedoch nach so findet man folgendes:
Maschinen mit Wirkungsgraden größer oder gleich 100 % werden auch als Perpetuum Mobile bezeichnet. Solche Maschinen können aufgrund von fundamentalen Überlegungen (Energiesatz, Hauptsätze der Thermodynamik) nicht existieren. Deshalb können Wirkungsgrade von über 100 % in der Realität nicht auftreten. Wenn in der Praxis manchmal trotzdem Wirkungsgrade von über 100 % angegeben werden, so ergeben sich diese aus Berechnungen, die nicht alle Energieanteile berücksichtigen.
– Wikipedia: Wirkungsgrad
Öh… Ja… Perpetuum Mobile ? Da ist selbst mir als Nicht-Physiker bekannt, dass sowas unmöglich ist. Wir stellen also fest: Im günstigsten Fall hat besagter Anbieter zumindest ein Definitionsproblem auf seinem Handout. Tja, warum nun wird diese magische Raumenergie nicht erforscht ? Dies schreibt der Betreiber des Stands den schändlichen Machenschaften der Energiekonzerne zu. Für meinen Geschmack doch etwas sehr esoterisch.

Ok, jetzt aber Bühne frei für die Chemie. Große Chemie-Zaubershow zum Thema Wasser präsentiert von den Herren Professores Göttlich und Schindler.

Die Bandbreite reicht von Riesenseifenblasen über Transformation von Wasser zu Wein (war Jesus etwa auch Chemiker ?) bis hin zum Entzünden von Feuer mittels Wasser. Wir sehen also, für jeden Geschmack was dabei. Auch der beliebte Cola+Mentos-Fontänen-Versuch wird vorgeführt. Und wir sehen auch, wie die Profis dies machen: Mittels einer aus der Ferne bedienbaren Startvorrichtung, damit der blütenweiße Kittel keine braunen Flecken kriegt.
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Oder man erfährt das Geheimnis, wie man 3 große Gläser Wasser in einer Babywindel verschwinden lassen kann und völlig ohne Kälte aus Wasser “Schnee” erzeugen kann:


Ja, da macht es auch dem Fachmann spaß zuzugucken. Nix geht schließlich über eine gute Show. Da ist nicht nur das Fettnäpfchen Feuer & Flamme.

Mit diesen Eindrücken von der Straße der Experimente gebe ich zurück ins Funkhaus.







Warum gibt es hier draußen keinen Getränkeausschank ? Das benachbarte Lokal müsste nur das Fenster öffnen um Getränke nach draussen an die Schlange zu verkaufen.
Ich kriege Angst um meine Jacke. Zigaretteninduzierte Brandlöcher sind nicht sehr kleidsam.
Welcher Experte hat den Eingang eigentlich in Form eines Trichters gebaut ? Von hinten wird mittlerweile auch tüchtig geschoben. Den glatzköpfigen Türsteher (irgendwie sehen die alle gleich aus) scheint das aber nicht zu stören. Der sitzt drinnen und beobachtet durch die halbgeschlossene Tür, dass keiner die Absperrkette übersteigt.
Oh Wunder. Endlich drin. Und gleich knöpft man mir 3 EUR Eintritt ab. Ganz schön frech. Erst so einen unnötigen Palaver am Eingang erzeugen und dann erst mal kassieren. Ja, was der Mensch nicht so alles macht um sich am Freitagabend die Zeit zu vertreiben…
Mail-Adresse …@inter-bundeskriminalamt.eu. Kurzum: Die Sache stinkt zum Himmel. Es handelt sich um die neueste Version des sogenannten