Six Degrees of Bunsen

Vielleicht habt ihr ja schon mal vom Spiel “Six Degrees of Kevin Bacon” gehört. Ziel des Spieles ist es eine möglichst kurze Verbindung zwischen einem beliebigen Schauspieler und Kevin Bacon zu finden. Hierfür ermittelt man die Kevin-Bacon-Zahl:

Kevin Bacon hat die Kevin-Bacon-Zahl (KBZ) 0, jeder Schauspieler, der mit ihm einen Film gedreht hat, hat die KBZ 1, ein Schauspieler, der mit einem dieser Schauspieler einen Film gedreht hat, jedoch nicht mit Kevin Bacon, hat die KBZ 2 usw.

— Wikipedia: Bacon-Zahl

Um dies einmal zu verdeutlichen sehen wir uns mal das Verwandschaftsverältnis zwischen Kevin Bacon und Jan Josef Liefers (auch bekannt als der allseits beliebte Prof. Börne aus dem Münster Tatort) an:

(Quelle: Oracle of Bacon)

Und siehe da, Jan Josef Liefers ist über 3 Schritte mit Kevin Bacon verbunden. Interessanterweise ist die mittlere Kevin Bacon Zahl etwa 3. Wer das gerne einmal selbst für seinen Lieblingsschauspieler testen will, kann das mit dem Oracle of Bacon leicht ausprobieren.

Nun kann man dieses Spielchen nicht nur in der Film-Branche spielen, sondern auch in der Wissenschaft. So ist es z.B. in der Mathematik Gang und Gebe, dass Mathematiker ihre Erdös-Zahl , d.h. den wissenschaftlichen Verwandtschaftsgrad zum ungarischen Mathematiker Paul Erdös, zu bestimmen. Da es in der Wissenschaft keine Filme gibt, geschieht dies über die Koautorenschaft von wissenschaftlichen Publikationen.

(Quelle: Wikipedia, H2g2bob, Lizenz)

Davon und durch die Diskussion über den weitläufigen Stammbaum eines Kollegen inspiriert, habe ich mich mal daran gemacht meinen wissenschaftlichen Stammbaum zu ermitteln. Also von meinem Doktorvater zu dessen Doktorvater usw. Wäre ja schon schick als Chemiker aus Giessen von Justus Liebig (einem der Urväter der modernen Chemie) abzustammen.

Schon eine illustre Ahnenreihe. Alles Namen, von denen man als Chemiker schon mal gehört haben kann. Emil Fischer, bekannt für seine Strukturaufklärung der Glucose (Traubenzucker), Adolf von Baeyer synthetisierte als erster Indigo (den blauen Farbstoff der Jeans) und Barbitursäure (chemische Grundlage der Barbiturat Schlafmittel) und schließlich Robert Bunsen, der auch in Nichtchemiker Kreisen bekannt ist, da er dem Bunsenbrenner seinen Namen gab. Unter Anderem entdeckte er auch mit G. Kirchhoff die Elemente Cäsium und Rubidium.

Dieser sitzt aber nur auf einem Seitenast des Stammbaums: Es ist zwar wahrscheinlich, das Adolf von Baeyers durch Bunsen zu seiner Doktorarbeit über Derivate des Kakodyls inspiriert wurde, daran aber im Labor von Friedrich Kekulé  der sich zu selben Zeit auch in Heidelberg aufhielt arbeitete. Kekulé der für die Aufklärung der Strukturformel des Benzols, der bekannte Benzolring, bekannt ist, war wiederum ein Schüler Liebigs. Und siehe da: Tatsächlich eine Verbindung zum alten Liebig !!!

Chemie ?!

“Oh je, in Chemie war ich immer schlecht…” “Igitt, da ist Chemie im Essen. Ihr Chemiker werdet uns irgendwann noch mal alle töten” Welcher Chemiker kennt diese Sprüche nicht ? Was bewegt den Menschen also sich mit dieser diffizielen Materie zu beschäftigen ? Und das auch noch in einem Universitätsstudium ? Nun, wenn man folgende Werbeanzeige aus den 50er Jahren aufmerksam durch liest, sind die Gründe klar…

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(Quelle: Popular Mechanics, 09/1955, http://blog.modernmechanix.com/2008/07/31/chemistry-big-laboratory-given-free/)

 

Eine “glorreiche Zukunft” wird da beschworen und darauf hingewiesen das in der Chemie quasi eine Goldmine liegt, die man nur anzapfen muss um sofort sein Einkommen und seine Position im Leben zu verbessern, indem man Abfall in Geld verwandelt. Tja, leider scheint sich heute keiner mehr daran zu erinnern oder aber nicht an ein “Golden Age” mit Hilfe der Chemie zu glauben…

Dann gibt es natürlich noch die Leute, die Chemie studieren um die “unheimlichen Kräfte der Natur zu entfesseln” oder “Mutter Natur nach meinem Willen zu formen”. Das sagten zumindest zwei meiner Komilitonen.

Schliesslich gibt es auch die Leute, deren natürlicher Spieltrieb, Zündel-Leidenschaft, Bastelwut und/oder Neugier, vom experimentellen Arbeiten gefüttert wird. Die sozusagen irgendwie eine Art Hobby zum Beruf gemacht haben. (“Was passiert wohl, wenn ich das Grüne in das Lilane kippe ?”, “Boah, sieh dir mal an wie heftig das abgeht…”) Das sind dann auch die Leute die vielleicht mal einen Chemiebaukasten besessen haben.

Apropos, Chemiekasten… Als ich neulich in der Bibiliothek meiner Arbeitsgruppe die Bücher durchstöbert habe, fiel mir dabei auch folgendes Kleinod in die Hand:

Alles was im Hause ist, untersucht der ALL-CHEMIST – 150 chemische Versuche für Buben und Mädchen.

Eine Versuchsanleitung zu einem Chemiekasten aus dem Jahre 1940 (Wilhelm Fröhlich, All-Chemist, Franckh’sche Verlagshandlung Stuttgart, 1940). Und tatsächlich, es gibt kaum ein Haushaltsprodukt das nicht in ein lehrreiches Experiment einfliesst: “Ein süsser Anfang” (Zucker), “Von der Milch”, “Der böse Alkohol” (!) oder “Gas” um nur mal ein paar Beispiele zu nennen. Viele Versuche, die man auch heute noch machen kann, allerdings auch ein paar die etwas antiquiert wirken: Wer hat schon heute eine Tafel Tischlerleim im Hause ?

Aber auf Wunsch einer Kollegin hier mal ein Experiment zum nachkochen:

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Die Frage, ob man den Tischlerleim gerade zuhause hat, lasse ich mal so im Raume stehen. Jedenfalls zeigt sich, dass die Idee mit den “Chemie mit Haushaltsprodukten”-Büchern keine neue ist.

Hier sieht man auch eine Besonderheit, die man heute leider nicht mehr findet. Die netten Illustrationen am Rande besitzen irgendwie einen ganz besonderen Charme.

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Wie z.B. das Bild jenes possierlichen Zeitgenossen, welches das Vorwort ziert und daran erinnert:

Wie der Alchimist früherer Zeit alle möglichen Stoffe zusammenbraute, wird ein wißbegieriger Junge als neuzeitlicher All-Chemist alle erreichbaren Stoffe in Küche und Haus[…] in den Bereich seiner Untersuchungen ziehen und ganz unbemerkt noch recht viel Neues lernen.

Na wenn man da nicht Appetit auf mehr bekommt… Mit Nachweisen von Eisen in Zigarettenasche fängts an und ehe man sich’s versieht landet man bei “Reaktionen von Ozon in Gegenwart von Übergangsmetallaziden in siedender Blausäure”… Oder so…

Faszination Gold

„Über-, doppelt und mehrfach glücklich, wer auf Gold und Kleinodien tritt!“

―Apuleius

Nur wenige Materialien üben eine ähnlich große Faszination auf den Menschen aus wie das Gold. Es ist nicht nur durch seine glänzend gelbe Farbe schön anzusehen, es gilt auch als ein Sinnbild für Edles und höchste Qualität. Die Goldmedaille für Olympia Sieger oder der sog. Goldstandard für bewährte, allgemein anerkannte Methoden und Verfahren, an denen sich alle anderen Methoden messen müssen.

Und wertvoll ist es. So bezahlt man zur Zeit (25.02.2017) 1190 EUR je Feinunze. Oder übersetzt in ein etwas gängigeres Gewichtsmaß: 38,26 € je Gramm. Und das ist von den Maßen her gerade mal ein winziges Blättchen:

100g Bar casted size 2
Größenvergleich – 1 Euromünze vs 100 g Barren

Von Goldsuchern

Der hohe Preis ist zum Teil dadurch begründet, dass Gold ein seltenes Metall auf unserem Planeten ist. Im Durchschnitt müsste man 1000 t Gestein verarbeiten um 4 g Gold zu gewinnen, was vermutlich der Grund ist, warum die Goldgewinnung nur an wenigen ausgewählten Orten rentabel ist. Ein Faszinosum am Gold ist ja, dass es chemisch sehr beständig ist. Dies ist auch der Grund, warum man es im Gegensatz zu anderen Metallen, die nur in Form von Erzen in Verbindung mit Sauerstoff, Schwefel etc. vorkommen, überwiegend gediegen vorfindet. Zugegeben man braucht oft eine Lupe um den Goldstaub im Gestein zu finden, aber ganz selten mal findet man auch „Gold-Nuggets“, also regelrechte Klumpen.

CSIRO ScienceImage 10458 An 8 kg nugget from Victoria that was cut in two and had a thin slice
Der größte bisher gefundene Gold-Nugget ist der „Welcome Stranger“, der 1869 in Australien ausgegraben wurde und stolze 97 kg auf die Waage brachte. In Deutschland findet man leider nur kleine Nuggets. Zuletzt löste ein Goldfund im thüringischen Schwarzatal einen kleinen Goldrausch aus, als der 64-jährige Heinz Martin beim durchqueren eines Baches einen 9.6 g schweren Nugget fand.

Aber das hindert den Menschen in seinem Erfindergeist nicht, ständig nach neuen Quellen zu suchen aus denen man Gold gewinnen kann. So kam der deutsche Chemiker Fritz Haber in den 1920er Jahren auf die Idee Gold aus Meerwasser zu gewinnen. Die Weltmeere enthalten ja immerhin genug Wasser, dass man einfach nur abzupumpen brauch. Doch obwohl 15000 t Gold in unseren Meeren „herumschwimmen“ stellte sich die Goldkonzentration als zu gering heraus um rentabel zu sein.

Alchemie, oder: Wie macht man Gold ?

Ebenfalls abenteuerlich ist die Idee neues Gold herzustellen, indem man billige, im großen Maße verfügbare Metalle umzuwandeln. Die Goldmacherei war ein beliebtes Betätigungsfeld der Alchimisten, den Vorvätern des modernen Chemikers. So suchte man den „Stein der Weisen“ eine Substanz die eben dieses Kunststück ermöglichen sollte. Das dies natürlich nicht von Erfolg gekrönt sein kann, liegt auf der Hand. Mitunter aber förderte diese Suche, nach dem Motto „Discovery by serendipity“ ungeahnte andere interessante Funde zu Tage:

So gelang es dem Alchemisten Johan Friedrich Böttger zwar nicht die Formel für den Stein der Weisen zu finden, sondern die Formel für Porzellan (die bis dahin ein wohlgehütetes Geheimnis der Chinesen war). Mit dieser Erkenntnis konnte man zwar nicht direkt Gold gewinnen, aber Porzellan war derartig kostbar, dass der sächsische König August der Starke dennoch beschloß Böttger unter Verschluß zu halten, um mit dem Porzellan gutes Gold zu verdienen.

DPAG 2010 32 Porzellanherstellung in Deutschland
Ein anderer Zufallsfund auf der Suche nach Gold gelang einem gewissen Henning Brand. Ironischerweise suchte er den Zugang zum Gold in einer anderen „goldenen Substanz“, indem er seinen Urin einkochte und die Rückstände stark erhitzte. Er erhielt stattdessen eine im dunklen leuchtende Substanz und wurde damit nicht nur zum Entdecker der Chemoluminiszens, sondern auch des Elements Phosphor. Gänzlich unmöglich ist die Elementtransmutation aber doch nicht. So lassen sich mittels moderner Wissenschaft im Rahmen kerntechnischer Prozesse geringste Mengen Gold erzeugen. Doch dies ist nicht nur teuer, sondern geht auch mit radioaktiver Strahlung einher… Ergo: Ist die Mühe nicht wert.



Brandt, wie er den Phosphor entdeckt (hier künstlerisch interpretiert von Joseph Wright of Derby)
Brandt, wie er den Phosphor entdeckt (hier künstlerisch interpretiert von Joseph Wright of Derby)

Von Original & Fälschung, sowie Badewannen

Doch wie überall, wo es um die Erlangung von Reichtümern geht, sind Ganoven und Halunken nicht weit entfernt. Wenn schon nicht Herstellen, dann vielleicht geschickt imitieren ! Und das ist in der Tat möglich: So gibt es allerhand (meist Kupfer-haltige) Legierungen, die einen mehr oder minder goldenen Farbton besitzen. Nehmen wir z.B. Messing oder Tombak. Dementsprechend gilt „Augen auf beim Goldkauf“. Oder eine andere Variante, wo der „Beschiss“ sich schon im Namen bemerkbar macht: Katzen- oder Narrengold, dem etwas malerischeren Namen für Eisen(II)disulfid/Pyrit, einem weißgoldenen Mineral.

Eine aus Film & Fernsehen bekannte Echtheitsprüfung ist z.B. der Bisstest (Schon mal gewundert, warum siegreiche Olympioniken auf ihre Goldmedaille beißen ?). Da Gold ein sehr weiches Metall ist, sollte ein solcher Bisstest Spuren in Echtgold hinterlassen. Blei ist allerdings auch sehr weich und somit ist vergoldetes Blei auf dem Wege nicht vom Original zu unterscheiden.

Auch sehr bekannt ist der Dichte-Test. Man kennt die Geschichte von Archimedes, der die Echtheit einer Goldkrone prüfen sollte (ohne diese zu beschädigen) und dem dann die geniale Idee beim Baden kam. Jedes Material hat ein spezifisches Gewicht, d.h. Gewicht je Volumeneinheit. Er tauchte also nacheinander Krone, sowie gleich schwere Gold- bzw. Silberbarren in Wasser und maß deren Wasserverdrängung. Und siehe da, die Krone verdrängte mehr Wasser als der Goldbarren, hatte also ein geringeres spezifisches Gewicht und war damit eine Fälschung. Verbunden mit dieser Erkenntnis, dem Archimedischen Prinzip, ist auch der berühmte Ausruf „Heureka !“ (griech. „Ich hab’s gefunden“) den Archimedes ausrief und, soeben dem Bade entstiegen, nackt durch die Strassen rannte. Eine elegante Methode, allerdings nicht unbedingt alltagstauglich.

Heureka - Wissenschaft in der Badewanne
Heureka – Wissenschaft in der Badewanne

Praktischer, da portabel sind säurebasierte Test-Kits. Gold besitzt nämlich die Eigenschaft unlöslich in herkömmlichen Säuren zu sein. Nur Königswasser, ein Gemisch aus Salz- & Salpetersäure, vermag es reines Gold aufzulösen. Legierungen mit geringerem Goldanteil lösen sich schon in verdünnteren Säuren. Je höher der Goldanteil, desto härtere Geschütze (sprich konzentriertere Säure) muss man auffahren.

Wenn das Edelmetall aber aus seriöser Quelle kommt, reicht es evtl. aber auch einen schnellen Blick auf einen vorhandenen Prägestempel zu werfen, der den Goldanteil in Promille wieder gibt.

Quelle: Wikipedia, Eintrag: Gold
Quelle: Wikipedia, Eintrag: Gold

Goldene Worte

Die gedankliche Verbindung Gold = wertvoll hat dann auch in allerhand metaphorische Redewendungen geprägt. Schwarzes Gold steht synonym für Erdöl, mit dem man auch zu Reichtum gelangen kann, wenn man es in seinem Garten findet. Weißes Gold steht für Salz, Porzellan, Elfenbein etc., alles Substanzen die zumindest in der Vergangenheit mit Gold aufgewogen wurden. Wer goldene Hände hat und damit aussergewöhnliches handwerkliches Geschick besitzt, verdient sich schnell eine goldene Nase, insbesondere dann, wenn diese noch einen guten Riecher für profitable Geschäfte hat. Die Kartoffel ist nicht nur golden in der Farbe, sondern gilt den deutschen oft als Königin der Beilagen beim Essen und verdient sich damit den Titel Ackergold, während der leicht ironische Begriff Hüftgold die füllige Figur beschreibt, die man kriegt, wenn man zuviel davon isst.

Angewandte Goldwissenschaften

Doch was macht man mit Gold, außer es sich als Kapitalanlage in den Keller zu legen oder es zu Schmuck zu schmieden ?

Der goldene Reiter - Feuervergoldet
Der goldene Reiter – Feuervergoldet

Blattgold kennt jeder. Da Gold so weich und duktil ist, lässt es sich problemlos (wenn auch in aufwendiger Arbeit) zu hauchdünnen Blättchen schlagen, mit denen man Zierrat eine goldene Oberfläche verleihen kann. Eine besondere Eigenschaft besitzt kolloidales Gold, d.h. Nanometer große Goldteilchen verteilt in einem flüßigen Medium, auch bekannt als Cassius’scher Goldpurpur. In dieser Form verliert Gold seine typische Farbe, sondern erscheint in einem rubinroten Farbton, mit dem man z.B. hochwertiges (und extrem schickes) rotes Glas herstellen kann.

Goldrubinglas Schatzkammer München
Goldrubinglas Schatzkammer München

Oder man verleiht Nahrungsmitteln mit Blattgold einen dekadenten Touch (Zusatzstoff E175). Dies reicht vom Danziger Goldwasser, einem klaren Schnaps in dem etwas Blattgold suspendiert wurde, bis hin zur Currywurst Gold mit Trüffelpommes, die in Berlin als deutliche Manifestation der Gentrifizierung Gestalt angenommen hat. Für den Körper ist es unbedenklich, da elementares Gold, wie wir bereits gelernt haben, in den meisten Säuren, so auch Magensäure, unlöslich ist und unverändert durch den Verdauungstrakt durchrauscht. In Form von Goldsalzen allerdings, kann es in zu hohen Konzentrationen zu einer Schwermetallvergiftung führen. Da die meisten Menschen solche jedoch nie zu Gesicht kriegen, ist dies ein eher seltenes Szenario. Es sei denn, sie gehören zu dem kleinen Personenkreis, dessen Rheuma mit goldhaltigen Medikamenten behandelt wird. Da dies jedoch recht teuer ist (sic!) und außerdem in über 50% der Fälle unangenehme Nebenwirkungen hat, werden diese mehr und mehr von anderen Medikamenten verdrängt.

Goldhaltige Arzneistoffe

Da Gold unter den Metallen eine überlegene elektrische Leitfähig und Korrosionsbeständigkeit besitzt, werden gerne elektrische Kontakte und Leiterbahnen auf Platinen daraus gefertigt. Ein Grund, warum der moderne Goldgräber sich für alte Mülldeponien und den darin achtlos entsorgten Elektroschrott interessiert.

Wir sehen also Gold ist ein extrem vielseitiges Element, dass nicht umsonst seit Jahrhunderten anhaltend eine Faszination auf den Menschen ausübt.

Mein Hut der hat vier Ecken

imageWer Chemie studiert, der hört selten nach Bachelor, Master oder Diplom auf, sondern setzt noch einen Doktor oben drauf. Eine mühselige Prozedur in die viel Blut, Schweiß & Tränen einfließen (aber oft auch Spaß macht). Dabei dient dieser Prozess nicht der persönlichen Eitelkeit, indem man sich mit einem Titel schmückt, wie es vielleicht das Verhalten mancher Politiker erahnen lässt. Guckt man in die Stellenangebote für Chemiker, so wünschen sich die potentiellen Arbeitgeber fast immer einen Dr. rer. nat. oder artverwandte Spezies.

Nun stellt man sich 3 Jahre ins Labor und forscht munter drauf los, schreibt schließlich eine mehr oder minder dicke Doktorarbeit (meine hat 226 Seiten) und krönt das ganze mit einer Disputation (hier in Gießen sind das 30 min Vortrag + mind. 60 Minuten Prüfung). Und dann kriegt man seinen Doktorhut aufgesetzt. Während besagter Hut zu Zeiten Luthers noch rund war, findet man heutzutage Hüte in Form des anglo-amerikanischen “mortar board”, welches vier Ecken hat.

Traditionell – Modell: Luther
Mortar Board

Während nach traditioneller Art, das ganze ein ernster Vorgang ist, fällt das ganze mittlerweile wesendlich farbenfroher aus. So wird der schwarze 4-eckige Hut mit einer für den Deliquenten individuellen Dekoration versehen, die die jeweiligen Eigenarten des frischgebackenen Doktors oder Anekdoten aus der Zeit der Doktorarbeit thematisieren.

 

Schauen wir uns doch mal ein paar Beispiele für diese Kopfbedeckungen an, die manchmal der selben Kunstfertigkeit wie ein Karnevalsprunkwagen gefertigt sind:

Hut 1 – Rote Locken rocken

Hut 1

Ein beliebtes Motiv sind Modelle der Zielmoleküle des Kandidaten (1). Hier ist das Modell aus Streichhölzern und Fimo gebacken worden. Insgesamt kann so ein Hut bis zu 2 kg Zuladung an Dekoration tragen, die bei diesem Modell, dank diverser Fimo Figuren fast erreicht wurde (z.B. ein Fahrrad, 2). Ein von mir gerne verbautes Element sind Schlumpffiguren, da es zu jedem Thema und Anlass den passenden Schlumpf gibt (3). Eine Besonderheit ist hier die integrierte Perücke Marke Obelix.

Hut 2 – Esel & Wischmopp

1

Die Trägerin dieses Huts mag Esel. Daher die charakteristischen Ohren.

2

Dekorative Doktoranden-Rosette.

3

PhD Comics… Ein von Jorge Cham gezeichneter Comic, der bemerkenswert authentisch das Doktorandenleben charakterisiert.

4

Molekülmodell, hier in Leichtbauweise, mittels eines professionellen Molekülbau-kastens.

5
Wischmopp-Fransen Marke Vileda. Eine Anspielung auf den zukünftigen Arbeitgeber.

Hut 3 – Für panzerfahrende Musikliebhaber ?

1

Hier mal eine Variation des 4-Eckenmotivs. Eher rund wie der Lutherhut. Liegt hier daran, dass die Hutkrempe aus einer Schallplatte gebaut wurde. Der Träger ist ein Freund guter Musik.

2 Eine weitere Variation. Pink & Lila sind das neue Schwarz. Mitunter muss man aufpassen was man sich (explizit nicht) wünscht.
3 Nervenstärkungstonikum
4

Mit Skalpell und roter Farbe verfeinertes Kriegsspielzeug. Der Hutbesitzer spielt gerne das Strategiespiel Axis & Allies.

Hut 4 – Wenn die Frösche in der Lagune quaken

1

Schnitzarbeit aus Styropor, garniert mit Kleister und Seesand. Um der Froschfigur eine schöne Lagune (mit U-Boot, siehe grünes Periskop) zu Bieten.

2

Die Palme wurde aus mehreren Lagen Papier gezwirbelt.

Hut 5 – Sport & Bier

1

Das offizielle Getränk zum Feierabend. Die Büchse wurde garniert mit einem zum Handball-Schlumpf umge-arbeiteten Fußballschlumpf.

2 Ich sag nur: Bundesliga-Fan.
3 Simpsons Konterfei des Kandidaten
4

Oft sind auch Anzüglichkeiten & Schweinereien auf dem Hut versteckt. Hier mal etwas offensichtlicher als im Blickfeld hängende weibliche, sekundäre Geschlechts-merkmale.

Hut 6 – Der Promotionshelm.

1 Deutscher Doktorand mit großer Sympathie für Japan
2

Der Korpus dieses Huts wurde aus einem Schalen-Dewar gefertigt. Das gläserne Innenleben wurde leider Opfer eines Unfalls. Dieser Hut ist dadurch geradezu Helmartig stabil und trotzdem bequem, dank einer Polsterung aus Schaumstoff.

3 Endlos-Sudoku. Komerziell erhältliches Scherztoilettenpapier für längere Sitzungen.
4

Der ganze Hut wurde als Panzer ausgeführt (Der Träger ist Modellbauer). Realisierung durch einen Schuhkarton und eine Küchenpapier-Rolle in Flecktarnmuster.

5

Der wohl erste Panzerschlumpf (ein umgeschulter Go-Kart-Schlumpf)

So sieht übrigens mein Hut aus:

 

Besonders nett finde ich den elektrisch beleuchtbaren Eiffelturm. Der Hut ist übrigens 6-eckig im Stil eines Benzolrings, da ich mich chemisch gerne mit Aromaten beschäftige.

Wenn man eine Reise tut…

…war das dereinst mal mit viel Mühe verbunden und relativ zeitaufwendig. Also in Dingen Transport und so. Heutzutage setzt man sich in den Flieger, jettet kurz wo hin, erledigt seine Geschäfte und ist dann abends wieder zurück. Flugreisen sei Dank !

Doch auch, wenn das Reisen selbst im Vergleich zu Früher ungleich schneller von statten geht, bringt das Phänomen Flugreise ganz eigene logistische Herausforderungen mit sich. Folgen wir also mal dem Ablauf einer Flugreise und gucken uns mal die Dinge an, die uns auf dem Weg begegnen.

Jede Reise beginnt zunächst natürlich mit dem Check-in. Traditionellerweise würde man sich zu diesem Zwecke an den Check-in Schalter begeben. Da man hier natürlich nicht der Einzige ist, beginnt die Reise also erst mal mit Schlangestehen, ein Grund warum es sich empfiehlt schon mit einem gesunden Zeitpolster frühzeitig am Flughafen aufzutauchen. Dies ist umso empfehlenswerter, wenn man mit ganzen Urlaubsreisegruppen um die knappen freien Schalter konkurriert. Da die mit Kind & Kegel unterwegs sind, muss der einsame Geschäftsreisende schon etwas stressresistent sein, während die Kinder unachtsamer Eltern links & rechts quer durch die Schlange huschen. So durfte ich schon einmal Zeuge sein, wie ein kleiner Junge beinahe auf dem Gepäcktransportband verschwunden wäre, als Papa & Mama mit ihren Handys beschäftigt waren.

Aus solchen Gründen vermeidet man besser den Check-in Schalter, nimmt nur leichtes Gepäck mit und benutzt den Automaten. Oder noch besser, erledigt das ganze schon im Vorfeld via Internet. Dies hat noch einen weiteren Vorteil: Sollte man, so wie ich, spezielle Ansprüche an seinen Sitzplatz stellen, also z.B. unbedingt einen Gangplatz haben wollen, dann ist ein frühes Check-in am Vortag Gold wert ! (Merke: Wer zuerst kommt, malt zuerst !) Ein weiterer Vorteil: Man kann die Bordkarte direkt auf sein Smartphone laden.

Da man das Gerät eh immer dabei und griffbereit hat, hat man so ein Ding weniger, dass man irgendwo verstauen muss. Nachteil: Manche Leute werden so geradezu paranoid, was ihren Akkustand angeht… Eine Erklärung dafür, dass öffentliche Ladeterminals am Flughafen immer häufiger werden: Praktische kleine Tische und Boards mit mehreren Steckdosen oder sogar USB-Ports, an denen man beim Warten schnell mal sein Mobilgerät nachladen kann !

Sehr schick ist in diesem Kontext auch folgendes Konstrukt, das ich am Bahnhof von Straßburg gefunden habe:

Win-Win-Situation: Leibesertüchtigung plus frische Energie für das Handy
Win-Win-Situation: Leibesertüchtigung plus frische Energie für das Handy

Check-in ? Done. Weiter geht’s zur Sicherheitskontrolle. Und auch hier wieder: Schlange stehen. Hier gibt es leider keinen Work-around. Gute Vorbereitung ist hier das A-und-O ! Dies fängt schon mit einem geeigneten Outfit an. Da jeder Fluggast durch einen Metalldetektor geht, empfiehlt es sich möglichst wenig Metall am Leib zu tragen. B.A. Barracus vom A-Team (aka Mr. T) kann uns hier als Negativbeispiel dienen, müsste er sich doch erst umständlich aus seinem reichhaltigen Schmuckbehang schälen. Aber auch die Dame mit Reisverschluss-bewehrten Lacklederstiefeln ist eine Person, die man nicht vor sich in der Schlange stehen haben möchte, denn hier sind Verzögerungen vorprogrammiert. Ebenfalls schlecht: Texanische Gürtelschnallen in Größe von Radkappen. Ich gebe zu, ich mache hier auch einiges Falsch: z.B. loses Kleingeld in der Hosentasche.

Ebenso das Handgepäck… Ein immer währender Quell der Freude: Flüssigkeiten und Kosmetik. Idealerweise in einem transparenten Ziplock-Beutel mitzuführen, in Gebinden <100 mL. Kann man mittlerweile ja alles in flugkompatiblen Größen fertig kaufen. Dennoch kann man in ungeahnte Fallen tappen: Als ich z.B. letztes Jahr als Dankeschön für meine Teilnahme an einem Mentorin Programm 2 Gläser exklusive Marmelade geschenkt bekam, bremste man mich an der Sicherheitskontrolle aus. Problem: Inhalt des Marmeladenglases: 110 g. Vorschlag des Sicherheitspersonals:

„Falls sie die Marmelade dennoch mitnehmen wollen: Dort hinten ist ein Bäcker. Schmieren sie sich doch ein paar Marmeladenbrötchen !“

Nun, ich mag zwar Süßes, aber 2 Gläser Marmelade esse ich auch nicht auf einen Sitz auf. Meine Frustration kann man sich natürlich vorstellen. Verschwendung von guter Marmelade. Einem Freund eines Freundes ist dies angeblich mit chilenischem Wein im Werte von >100€ passiert, als er um seinen Anschlussflug zu erwischen vorübergehend den Sicherheitsbereich verlassen musste. (Danke an Alex F. für die Weitergabe der Geschichte)

Gilt leider auch für Gourmet-Marmelade und teuren Wein
Gilt leider auch für Gourmet-Marmelade und teuren Wein

Wie praktisch wäre hier doch eine Paketannahmestelle, mit der man quasi adhoc ungeeignete Gegenstände per Post an seine Heimatadresse schicken lassen könnte.

Im Sicherheitsbereich dann ist man auch nicht vor Verdruss gefeit… Hat man einen längeren Aufenthalt, aber einen leeren Magen, kann man Glück haben oder auch nicht. Das kulinarische Angebot lässt dann teilweise doch stark zu wünschen übrig. Zumindest in den Flughäfen, die ich bislang bereisen durfte, wird das gastronomische Angebot offenbar von hurtig im Toasterofen erwärmten Panini und aufgewärmten Pizzazungen dominiert. Und natürlich von der obligatorischen dauererhitzten Brühwurst, entweder als Hotdog oder klassisch mit Senf. So war ich ja ganz froh, als ich in Frankfurt im Bereich A einen ganz brauchbares Asia-Restaurant ausgemacht hatte. Als ich aber bei meiner jüngsten Dienstreise dort vor dem Heimflug kurz einkehren wollte, traute ich meinen Augen nicht… Auch dort hat sich nun so ein unsäglicher Panini-Verkäufer breit gemacht.

Sprechen wir nun vom Thema Gepäck. Wie eingangs erwähnt ist man ja bestrebt, durch geeignete Präparation im Vorfeld der Reise einen durch Schlange stehen hervorgerufenen Zeitverlust zu minimieren. Hierzu gehört auch eine Vermeidung des Gepäck-drop-off. Dies hat auf kurzen Reisen kleine Rollkoffer, die man als Handgepäck mit an Bord nehmen kann extrem populär gemacht. So angenehm dies für den Einzelnen sein mag, um so nerviger kann das für seine Mitmenschen werden. Auf die Art, wie manche Leute mit diesen Gepäckstücken umgehen, könnte man meinen, dass bald Waffenscheine dafür notwendig werden: Lässig hinter sich her gezogen und unachtsam, was die unmittelbare Umwelt anbelangt, hat so mancher ignorante Flugreisende schon mal nachfolgende Fußgänger mit seinem Koffer zu Fall gebracht.

In der Kabine dann, will das Gepäck dann natürlich sicher verstaut werden. Und angesichts des Umstands, dass ganze Heerscharen an Reisenden diese Gepäckstrategie verfolgen, wird es oft eng in den Gepäckfächern. (Im Frachtraum müsste es demnach geradezu leer sein) Da wird dann schon mal ohne Rücksicht auf Verluste der eigene Koffer mit Gewalt und Schmackes zum anderen Gepäck ins überfüllte Fach gerammelt. Merke: Zerbrechliche Ware vorsichtshalber immer am Mann tragen.

Erschwerend kommt hinzu, dass oft die zierlichsten Personen, mit den größten und schwersten Koffern unterwegs sind. Merke: Man sollte selbst noch problemlos in der Lage sein sein Gepäck ins Fach zu hieven. Und nicht nur den Koffer auf Kopfhöhe zu heben und anschließend rückwärts sammt Koffer in die gegenüberliegende Sitzreihe zum plumsen. Auf diesem Wege hatte ich dann schon mal ein altes Mütterchen mit ihrem Gepäck auf meinem Schoß sitzen. Vorsicht auch bei Rucksäcken: Ist dieser zu schwer und man kommt zu Fall, kann es passieren, dass man sich anschließend hilflos wie ein Käfer mit Armen & Beinen rudernd auf dem Rücken wiederfindet. Ferner gilt auch für Rucksäcke: Sei achtsam ob deiner Umwelt ! So wurde mir schon mehrfach ein dicker Rucksack ins Gesicht gehauen, als der Sitznachbar aus der gegenüberliegende Reihe sich zum Gepäckfach hinwendete. Überhaupt, je komplexer und umfangreicher das Handgepäck wird, desto länger dauert auch das Einsteigen, weil die Kofferbesitzer sich erst mal umfangreich sortieren müssen und somit den schmalen Durchgang blockieren. Denn Neben dem Handgepäck darf man ja manchmal noch einen zusätzlichen Gegenstand mitnehmen: Schirm, Posterrolle, Handtasche, Kamera etc.

Mal ehrlich, muss man wirklich alles mit in die Kabine nehmen ? Wenn man sein Zeug nicht tragen kann, dann gibt man das ganze Zeug eben auf ! Oder man benutzt, sofern verfügbar (leider nur bei sehr kleinen Fliegern), den Delivery-at-Aircraft Service: Das Köfferchen kurz vor dem Einsteigen schnell in einen Container stellen und ab geht die Reise. Beim Aussteigen steht es dann wieder zum Mitnehmen bereit.

Fazit: Mit etwas vorausschauender Planung und gegenseitiger Rücksicht kann man auf Flugreisen (aber auch in anderen Lebenslagen) sich selber und Anderen, das Leben leichter machen.

Bier & Kaffee – Ying & Yang

Was haben diese beiden Getränke gemeinsam ? Erst mal nicht viel, außer dass sie beide auf meiner privaten Lieblingsgetränkekarte stehen. Das eine wird in der Regel gut gekühlt und möglichst unverfälscht genossen, das andere als Heißgetränk, gerne auch mal mit geschmacksverfeinernden Additiven. Jetzt lernte neulich, dass Bier und Kaffee angeblich eine unerwartete Gemeinsamkeit besitzen : Die Möglichkeit in einer Filterkaffeemaschine aufgebrüht zu werden. Inspiriert durch einen Beitrag der Sendung Galileo, habe ich mal etwas recherchiert.

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Eine Quelle im Internet, die in dem Zusammenhang gerne genannt wird, ist die Internetpräsenz eines bloggenden Doktoranden der Ozeanographie, Southern Fried Scientist, der einen Beitrag zum Thema “Wie man Bier in einer Kaffeemaschine braut, nur unter Verwendung von Materialien, die man auf einem ozeanographischen Forschungsschiff bescheidener Größe findet” verfasst hat. Offenbar geht auf Hochsee-Expeditionen schnell das Bier aus, sofern man denn überhaupt welches mitgenommen hat.

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Da es sich hier um ein improvisiertes Verfahren handelt, sind die Zutaten auch etwas gewöhnungsbedürftig… Bei der Bereitung der Maische wird als Malzersatz z.B. Frühstückscerealien wie z.B.  “Raisin Bran” vorgeschlagen. Enthält angeblich alles, was ein Bier braucht: Stärke & Enzyme, um Proteine abzubauen und die Stärke in kleinere Zucker aufzubrechen. Die Rosinen, Früchte oder Nüsse, die im Müsli enthalten sind, sind zwar entbehrlich, werden aber als willkommene Geschmacksveredelung begrüßt. Na, Deutsches Reinheitsgebot ist was anderes. Da aber die Hefe doch eine etwas solidere Grundlage zum gedeihen braucht, empfiehlt der Autor z.B. Vegemite oder Marmite, jenen unsäglichen aus Hefeextrakt gewonnenen Pasten, die der Brite sich mal gerne aufs Brot schmiert. Enthält Kohlenhydrate und andere Ingredienzien, die Hefe braucht um groß und stark zu werden. Eine deutsche Variante schwört auf die Verwendung von Honigpops… hefe

Schwieriger wird’s mit Hopfen, da dieser weder auf amerikanischen Forschungsschiffen, noch in deutschen Küchen standardmäßig vorrätig gehalten wird. Aber man kann ja auch mit Orangenschalen oder Salbei substituieren. Auch bei der Hefe darf man nicht wählerisch sein, Bäckerhefe statt guter Bierhefe… Brrr…

hopf

Hat man alles zusammen, wandert das ganze (gut gemörserte) Körnerfutter in die Kaffeekanne und wird mit 2 Tassen Wasser überbrüht und ne Stunde ziehen gelassen. Der aufmerksame Leser merkt, kein ausgefeiltes Temperaturprogramm und keine genau getimete Rasten… Das sich anschliessende Läutern lässt sich dann auch mit Bordmitteln der Kaffeemaschine erledigen. Alles schön in den Filter einbringen, und 5 Tassen Wasser durchlaufen lassen. An dieser Stelle spätestens bin ich bei dem Galileo Beitrag skeptisch geworden. Die Plörre, die da aus dem Filter plätscherte war doch recht anämisch, sprich dünn und arm an Farbe, die Brauerische Entsprechung von Blümchenkaffee. Unsere Erzeugnisse hatten zu diesem Zeitpunkt immer ein kräftiges Braun.

imageHopfen (oder das Gewürz nach Wahl) zugeben, 45 Minuten ziehen lassen, fertig ist die Würze. Der Rest ähnelt mehr oder minder dem Prozedere des gewöhnlichen Hobbybrauens. Vergähren im Einmachglas (ist ja immerhin ne kleine Menge) bei Raumtemperatur für den Alkohol, dann Zucker zugeben und weitergähren im Kühlschrank für die Kohlensäure.

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Fragt sich wie das Gebräu nun schmeckt… Sitzt man auf einem Schiff für längere Zeit auf dem Trockenen ist man vielleicht nicht besonders wählerisch. Das Galileo-Erzeugnis hatte eher die Anmutung von Naturtrübem Apfelsaft, komplett ohne Schaum. Urteil des Reporters: “Es schmeckt auch irgendwie wie Bier aber… exotisch”, extern hinzugezogene Tester einer berliner Bierkneipe meinten “Zu laff”  oder “Wie schlechte Milch”. Ergo, nix was einen zum Nachmachen animiert. Ich bleib dann doch lieber bei meinem Einkochtopf-Braukessel.

 

Siehe auch:

ProSieben Galileo

http://www.southernfriedscience.com/?p=1419

Brauherr.de

Aller Anfang ist schwer

Alle Jahre wieder gucke ich in meine Kiste mit Erinnerungsstücken: Eine Sammlung aus Briefen, Fotos, Eintrittskarten von besonders denkwürdigen Events und allerhand anderer Dinge, die einen in Erinnerungen schwelgen lassen. Darunter auch dies hier:

Nun, was hat es damit auf sich ? Damals im Oktober 2000 hatte es mich an die Uni Münster verschlagen, um dort meine ersten Gehversuche auf dem Gebiet der Chemie zu unternehmen. Auftakt der OE-Woche (OE = Orientierungseinheit) bildete die Erstsemester-Begrüßung. Da saß ich nun mit den ganzen anderen Erstes, an die 130 Leute, im großen Hörsaal C1 und harrte der Dinge, die da kommen würden. Punkt 10:00 betrat eine Handvoll Fachschaftler und Assistenten die Bühne und verkündete, dass es dieses Semester wohl zu einer Panne bei der Immatrikulation gekommen sei: Es wurden mehr Studenten aufgenommen, als es Studienplätze gäbe. Um dieses Dilemma zu beseitigen, würde nun eine kurze Einstufungsklausur abgehalten werden, um zu ermitteln, wer wie geplant starten dürfe und wer bis zum nächsten Semester warten müsse.

Vor lauter Aufregung, die der Studienbeginn so mit sich bringt, ist es vermutlich nur Wenigen komisch vorgekommen, dass so eine gravierende Mitteilung nicht von einem Professor, sondern von der Fachschaft verkündet wird. Die erste Aufgabe auf dem Klausurbogen, ein ziemlich martialisch anmutendes Konstrukt, hat dann sicher auch sein übriges Getan, uns Erstis einzuschüchtern:

Lösung (von oben li. nach unten re.): 1. Zeile: Kupfer // Cu(OH)2 // CuO; 2. Zeile: CuI + I2 // [Cu(NH3)4]SO4; 3. Zeile: CuI // Kupfer
Dieser Aufgabentyp ist auch bekannt als „Kampfstern“: Sternförmiges Reaktionsschema, mit dem viele Studenten in Klausuren zur anorganischen Chemie hart kämpfen müssen, um die Lücken darin auszufüllen. Und das nach Besuch entsprechender Vorlesungen und Übungen ! Am ersten Tag des Studiums reicht das jedoch, um auch hartgesottene Naturen in Unruhe zu versetzen. Ich jedenfalls, ohne Chemiekurs in der gymnasialen Oberstufe, war völlig aufgeschmissen.

Also machte ich das, was wohl jeder im Angesicht einer unlösbaren Klausuraufgabe macht, nämlich umblättern:

Skizzieren sie ein galvanisches Element, dass aus einer Normalwasserstoffelektrode (NHE) und einer Kupferelektrode besteht, welche in eine Kupfersulfatlösung eintaucht !

Öhm… Next !

Toxikologie: Welche Gefahren für die Gesundheit gehen von übermäßigem Konsum von Dihydrogenmonoxid aus ?

Ok, von diesem alten Chemie-Kalauer hatte ich schon mal gehört. Dihydrogenmonoxid = klug für Wasser. Hier hielt ich es für hinreichend sicher, die Vermutung zu äußern, dass evtl. Ertrinken gemeint sein könnte… Aber dann direkt in der nächsten Aufgabe – Bäm ! – werden direkt die Valenzstrichformeln für Alkohol, Schwefelsäure, Benzol und Kaliumpermanganat gefordert ! Äh… Schnell weiter. Irgendwo muß es doch etwas einfacheres geben…

Zeichnen Sie den Querschnitt durch ein Magnetrührstäbchen, Zählen Sie wieviele Wasserstoffatome vor Ihnen auf dem Tisch liegen !

Sehr merkwürdig ! Doch wem bis jetzt noch nicht aufgegangen sein sollte, dass es sich hier um einen klassischen Scherz auf kosten der Neulinge handelte, dem wurde es spätestens damit klar:

April, April !

Und tatsächlich hatte sich so mancher mit einem erleichterten Grinsen von seinem Platz erhoben, um God save the queen zu summen.

Bei besagtem Länderspiel handelt es sich übrigens um das letzte Spiel im alten Wembley Stadion, bevor dieses abgerissen wurde, in welchem Niemand anderes als Dietmar ‚Didi‘ Hamann den Siegtreffer zum 1:0 erzielte. In Folge dieser Schmach musste dann der britische Nationaltrainer Kevin Keegan seinen Hut nehmen. Das Tor hatte auch in sofern ein Nachspiel, als dass 5 Jahre später bei der Abstimmung, wie die neu errichtete Stadionbrücke heißen solle, der Vorschlag deutscher Fußballfans die Brücke „Dietmar Hamann Gedächtnisbrücke“ zu nennen, die meisten Stimmen erhielt. Man entschied sich dann, dem Abstimmungsergebnis zum Trotz, der Brücke einen anderen Namen zu geben.

Wir sehen also, ein klassischer Initiationsritus für Frischlinge. Doch was zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich noch keiner vermutet hat: Eine solche Einstufungsklausur ist gar nicht notwendig gewesen, denn nur wenige Studiengänge haben eine ähnlich hohe Verschleißquote, wie ein Chemiestudium. In einer alten Chemiker-Anekdote sagt der Prof zu seinen Studenten: „Gucken Sie mal nach links, gucken Sie mal nach rechts… Die Leute, die sie dort sehen, werden sie nächstes Semester nicht mehr wiedersehen !“ Eine Geschichte, die durchaus ein Körnchen Wahrheit beinhaltet. Angefangen haben wir mit 130+ Studenten. Im 4. Semester sind nur noch 78 Teilnehmer zum Grundpraktikum Organische Chemie angetreten. Und nach 9 Semestern waren es gerade mal 23 Leute, die ihr Diplom gemacht haben. Und aus meiner OE-Gruppe, anfänglich 10 Personen, haben, mich eingeschlossen, nur 2 Personen das Vordiplom erlebt. Ok, so manchen verreißt in der einen oder anderen Prüfung. Aber, gerade in den frühen Semestern, gibt es auch genügend Leute, denen ein Chemiestudium zuviel Palaver ist. Praktikum in den Semesterferien… In irgendeiner stinkenden, potentiell giftigen Brühe rühren, wenn andere Studis am See in der Sonne liegen ? Das mag nicht jeder. Analysen kochen, unter Zeitdruck, während man sich den Abzug mit 4 anderen leicht chaotischen Zeitgenossen teilt ? Es soll auch Leute gegeben haben, die plötzlich festgestellt haben, dass sie Angst vor Chemikalien haben. Und überhaupt ist so ein Chemielabor auch nicht das, was uns die Medien vorspiegeln: Nein, kein Platz wo alles schön weiß und sauber ist und lustige bunte Flüssigkeiten vor sich hin blubbern. Da geht’s schon eher zu wie in einer Werkstatt… Wo gehobelt wird, da fallen Späne.

Ja, irgendwie ist es schon wahr, dass man als Chemiker schon, im positiven Sinne, leicht einen an der Waffel haben muss um so etwas zu studieren. Ein gewisser Conan in einem Internetforum bringt es auf dem Punkt:

Soweit ich weiß, sind meiner Meinung nach Chemiker die zähesten Brocken die ich kenne. Die geben normalerweise nicht auf und lassen nie locker, egal was sie machen. — Conan (25.04.2002)

Wie heißt es so schön ? Chemie ist, wenn man trotzdem lacht.

Die Macht der Kristalle

Wer den Blog hier schon länger verfolgt, weiß, dass ich Naturwissenschaftler bin und als solcher esoterischen Dingen gegenüber ja schon von Berufs wegen skeptisch eingestellt bin. Doch heute möchte ich mich mal mit einem solchen Thema näher beschäftigen, nämlich der esoterischen Macht von Kristallen & Steinen.

Bergkristall - Hübsch anzusehen & angeblich wirksam gegen schädliche Strahlen, Kopfschmerzen & Krampfadern
Bergkristall – Hübsch anzusehen & angeblich wirksam gegen schädliche Strahlen, Kopfschmerzen & Krampfadern

Daran mag man jetzt glauben oder nicht, eins ist jedoch gewiss: Einen enorm dekorativen Charakter haben sie ja. Es gibt sie in verschiedensten komplexen Formen und allen erdenklichen Farben und glitzern tun sie meistens auch. Ergo: Wenn er schon kein Zauberstein ist, so taugt er doch als Schmuckstein.

Dann ist da noch die Sache mit den Glücksbringern. Da mögen Viele noch so rational und nüchtern eingestellt sein, bei wichtigen Geschäftsterminen kleiden sie sich in ihr Glückshemd, klauben Glückspfennige von der Strasse oder klopfen beim Ausfüllen des Lottoscheins dreimal auf Holz (wenn grad Keiner guckt). Nicht unbedingt weil sie dran glauben, vielleicht weil sie gerne daran glauben würden. Und schaden kann es ja nicht, nur sicherheitshalber. Über all diese Dinge wundert sich Keiner, also wollen wir den „Zaubersteinen“ auch eine Daseinsberechtigung einräumen.

Ungeschliffener Rubin - Mit Chrom dotiertes Aluminiumoxid, auch wirksam in Sachen Liebe, Sexualtät, Erkenntnis etc.
Ungeschliffener Rubin – Mit Chrom dotiertes Aluminiumoxid, auch wirksam in Sachen Liebe, Sexualtät, Erkenntnis etc.

Doch wie komme ich auf das Thema ? Wenn man durch das Zentrum einer Tourismus-Hochburg wie Dresden läuft, muss man nicht weit gehen, bis man einen Verkaufsstand findet, der neben Souvenirs auch Kristalle & Steine als Glücksbringer anbietet. Als ich nun in der Woche vor Weihnachten über den hiesigen Weihnachtsmarkt lief, fand ich dort einen Marktstand mit einer Art Glücksstein-Roulette. Für 2 € Einsatz durfte man mal am Rad drehen, welches dann auslost, welche Art Stein man sich aus dem Angebot aussuchen darf. Nun, lange Rede, kurzer Sinn: Einen Dreh später, war ich glücklicher Besitzer eines Amethyst. Vom Standpunkt des Mineralogen und Chemikers handelt es sich um eine violette Varietät des Minerals Quarz (Siliziumdioxid). Der Unterschied zum farblosen Bergkristall, der auch ein Quarz ist, liegt nun daran, dass der Amethyst zusätzlich Eisen enthält. In der etwas ungewöhnlichen Oxidationsstufe +IV. Eisen(III) ist nun nichts Ungewöhnliches und, wie jeder vom Rost (Eisenoxid, Fe2O3) her weiß, braun gefärbt. Führt man eisenhaltigem Quarz, der zuerst auch braun ist, radioaktive Strahlung zu, wie sie in Gestein auch natürlich vorkommt, so wird aus den Eisenionen ein Elektron herausgeschlagen und unser Quarz wird zum violetten Amethyst !

Mein Amethyst/Citrin
Mein Amethyst/Citrin

Diese violette Färbung ist jedoch nicht so permanent wie man denkt. Vorsicht z.B. ist geboten mit UV Strahlung: Wird der Amethyst solcher ausgesetzt, z.B. in Form von intensivem Sonnenlicht, kann er seine Farbe verlieren. Ebenso ungünstig ist starkes Erhitzen, wodurch sich der lila Amethyst in einen gelb-braunen Citrin verwandelt. Was sich der Edeltsteinhandel zu Nutze macht, da Citrine um einiges seltener sind als Amethyste.

Der Amethyst - bei Saufgelagen ein nützlicher Begleiter
Der Amethyst – bei Saufgelagen ein nützlicher Begleiter

Doch was kann ein solcher Zauberstein nun angeblich alles ? Hier hilft schon eine genaue Analyse des Namens: Amethystos (griech. ἀμέθυστος) bedeutet „dem Rausche entgegenwirkend“. Nun, nichts geht über ein entsprechendes Experiment. Drei große Bier später, merkt der Experimentator, dass der Amethyst, zumindest in der Hosentasche getragen, nicht verhindert hat, dass der Alkohol seine Wirkung tut. Nun ja, vielleicht funktioniert das ja nur mit Rotwein. Oder nur, wenn der Amethyst Kontakt zum Getränk hat. Aus hygienischen Gründen habe ich aber darauf verzichtet den Stein ins Bier zu tauchen. Vermutlich haben die alten Römer daher ihre Trinkgefäße aus Amethyst gefertigt.

Malachit - Basisches Kupfercarbonat, von dem man behauptet es hilft bei Frust, Unausgeglichenheit, Unentschlossenheit & Ablehnung des eigenen Körpers
Malachit – Basisches Kupfercarbonat, von dem man behauptet es hilft bei Frust, Unausgeglichenheit, Unentschlossenheit & Ablehnung des eigenen Körpers

Was nun etwaige heilende Eigenschaften angeht, sei erst einmal folgendes angemerkt: Von Gesetz wegen sollte man Begriffe wie „Heilstein“ vermeiden, da man sonst ratzfatz wegen „unlauterem Wettbewerb“ belangt werden kann. Von etwaigen Regressforderungen wegen Quacksalberei mal abgesehen, da ein entsprechender wissenschaftlicher Nachweis einer Wirkung bislang noch aussteht.

Die Naturheilerin Hildegard von Bingen (1098-1179) gilt hier vermutlich nicht als legitime Quelle, auch wenn sie in ihrem „Buch von den Steinen“ eine Wirkung gegen „Hautunreinheiten und Schwellungen, aber auch gegen Insekten-, Spinnen- und Schlangenbisse sowie gegen Läuse“ beschreibt.

Pyrit - Hilft bei Identitätskrisen, regt die Selbsterkenntnis an und eignet sich zur Herstellung von Stinkbomben
Pyrit – Hilft bei Identitätskrisen, regt die Selbsterkenntnis an und eignet sich zur Herstellung von Stinkbomben

Etwas modernere Edelstein-Heiler sprechen davon, dass der Amethyst das sog. Stirnchakra (Chakra – Energiezentrum zwischen physischem und feinstofflichem Körper / Astralleib) beeinflußt und damit „reinigende, inspirierende und Erkenntnis bringende Eigenschaften“ hat. Wir sehen also: Für mich als Blogger zumindest der Theorie nach der richtige Stein. 

Schließlich findet man noch Hinweise auf die energetische Reinigung und Aufladung anderer Heilsteine. Was dies in letzter Konsequenz bedeutet weiß ich auch nicht, aber nun gut.

Witziger weise kommen sich damit Esoterik und Wissenschaft aber wieder ungeahnt nahe. So beschäftigen sich Ingenieure heutzutage mit spannenden Themen wie „Energy Harvesting“ (Energie-Ernte), also Gewinnung von geringen Mengen an elektrischer Energie aus Bewegung, Umgebungstemperatur etc.

Möglich ist dies z.B. mit piezoelektrischen Kristallen, die mechanischen Druck in elektrische Energie umwandeln. Jeder hat so etwas schon mal in der Hand gehabt, nämlich ein Form eines Feuerzeugs mit Druckzünder.

Sogenannte Pyroelektrische Kristalle erzeugen elektrische Spannung, wenn sie eine Temperaturänderung erfahren. Dies ist zum Beispiel in Temperatursensoren nützlich.

Wir sehen, es gibt eine gewisse Ähnlichkeit, wenn auch die Esoteriker vermutlich keine elektrische Energie mit ihren Kristallen ernten.

Fassen wir zusammen: Kristalle gehören sicher zu den dekorativeren Glücksbringern und sollte jemand aus ihnen Motivation und frische Energie schöpfen (und sein es auch nur durch den Placebo Effekt), so sei ihm dies gegönnt. Mit ernsthaften Erkrankungen sollte man sich jedoch lieber doch zu einem Arzt begeben.

Ein größerer Amethyst aus der Edelsteinsamllung von E. N.
Ein größerer Amethyst aus der Edelsteinsammlung von E. N.

Sprit ist alle

Als ich gerade das Archiv durchstöberte, fiel mir das folgende Kleinod in die Hände. Es war das Jahr 2011 und die Gemüter waren, ob der gerade erfolgten Einführung des neuen E10 Benzins stark erhitzt:

huhu

Mittlerweile ist der Medienhype um die Benzinsorte E10 ja etwas abgeflaut. Aber offenbar ist der “Biokraftstoff” immer noch ungeliebt unter den Autofahrern. Zumindest gemessen an dem was ich eben an meiner bevorzugten Tankstelle beobachtet habe.

Offenbar war dort nämlich das herkömmliche Super leergetankt worden, was dort auf sichtlichen Unmut einiger potentieller Tankkunden stieß. Der zuständige Tankwart war nicht minder betroffen, da offenbar schon den ganzen Nachmittag die Kunden unverrichteter Dinge wieder abzogen, ob des beklagenswerten Spritmangels. Kein Benzin mehr, das muss man sich mal vorstellen. Neben tiefschürfenden Logistikproblemen seitens der Tankstelle, lässt sich vielleicht noch das Phänomen anführen, das die Spritpreise gefühltermaßen Dienstags immer besonders niedrig zu sein scheinen. Vielleicht lockt dieser Anschein besonders viele Leute an die Zapfsäulen.

imageAuch ich bin erst mal weitergefahren… Schließlich findet sich 500m weiter die Strasse runter ja eine weitere Tankstelle. Dort dann das gänzlich umgekehrte Bild… Autoschlangen an jeder Säule die bis auf die Strasse reichen. Für den Betreiber muss das ein Gefühl wie Weihnachten gewesen sein. Für mich als Kunden… eher Aschermittwoch… weniger schön. 20 Minuten auf Sprit warten wollte ich dann doch nicht. So stellt man sich die Spritrationierung in einer Planwirtschaft sozialistischer Prägung Marke kalter Krieg vor. Alternativen… Einmal durch die Stadt fahren zur nächsten Tanke oder E10 tanken ? Dann halt zähneknirschend E10 tanken.

Ich halte es zwar für unwahrscheinlich das der Biosprit schädlich für Motoren ist, aber ob der erhöhte Ethanolanteil den Sprit jetzt nachhaltiger macht… Da streiten sich die Experten. Ich bleib vorerst bei der klassischen Mischung. Hier mal ein kurzer Blick in die Rezeptur für Benzin der Marke Aral (Ottokraftstoffe gem. DIN EN 228):

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Komplexes Gemisch aus flüchtigen Kohlenwasserstoffen die Paraffine, Naphtene, Olefine und Aromaten mit C-Zahl vorwiegend von 4 – 12.
Kann Sauerstoffverbindungen enthalten. Kann auch geringe Mengen proprietärer leistungssteigernder Additive enthalten.

— Datenblatt Aral Ottokraftstoffe gem. DIN EN 228

Besagtes Gemisch flüchtiger Kohlenwasserstoffe alias Benzin wird in meiner Grafik oben mal durch Hexan als typischen Vertreter für ein n-Alkan repräsentiert, obwohl alles zwischen Kohlenwasserstoffen mit 4 und mit 12 Kohlenstoffen drin sein kann. Ferner diverse Alkohole als Additive und TBME als Antiklopfmittel. Besagtes Klopfen bezeichnet übrigens den Unerwünschten Effekt, dass der Treibstoff im Zylinder durch Selbstentzündung unkontrolliert verbrennt. Als positives Beispiel für einen “klopffesten” Brennstoff dient Isooctan, daher auch der Begriff Octanzahl.

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Die Grundmischung ist bei allen Anbietern der selbe, also der eigentliche Sprit. Erst mit den geheimen Zusätzen (Additive) verleiht jeder Anbieter seinem Benzin “die persönliche Note”.

Der Mann der aus der Kälte kam

Der Winter ist ja eine eher ungemütliche Jahreszeit. Es fallen einem Worte wie dunkel, nass und kalt ein. Da liegt es nahe, die kalte Jahreszeit etwas fröhlicher zu Gestalten, etwa mit dem „freundlichen Wintersymbol“ par excellence: dem Schneemann.

Tatsächlich ist der Schneemann so beliebt, dass man ihm den 18. Januar als Welttag des Schneemanns (#wdosm) gewidmet hat. Warum gerade der 18. Januar ? Die deutsche Homepage des WDOSM gibt hierfür u.A. folgende Gründe an: Erstens, symbolisiert die 18 ideal einen Schneemann. 8 als Korpus und 1 als Besenstil. Zweitens, Januar als Wintermonat schlechthin. Hier ist die Schneehäufigkeit am größten. Guckt man in die Wetterdaten so haben wir in Dresden im Januar im Durchschnitt 15.4 Schneetage. Check, passt. Gucken wir aber nach Melbourne (Australien) finden wir zwar keine Daten zu Schneetagen, erfahren aber, dass im Januar dort Temperaturen um die 19 °C herrschen. Kein Wunder, auf der Südhalbkugel ist dann Sommer. Ergo: Kein Schneemann.

Eine Schneefamilie (merke: Die Mama ist die mit dem Besen !) Danke an Ina St. für das Bild !
Eine Schneefamilie (merke: Die Mama ist die mit dem Besen !) Danke an Ina St. für das Bild !

Und warum wird der Schneemann gefeiert ? Ok, er ist international bekannt und als „cooler Typ“ bei Alt und Jung beliebt. Aber (Achtung, jetzt kommt’s !): Er ist ein Vorbild für Toleranz ! Ich zitiere:

Schneemänner sind unpolitisch und haben keinen religiösen Hintergrund, aus diesem Grund sind sie auf der ganzen Welt willkommen. Sie kennen keine Vorurteile.

— Quelle http://welttagdesschneemanns.de/

Und ein bisschen Toleranz kann in diesen Tagen nie Schaden.

Die fachgerechte Konstruktion eines Schneemanns erscheint nicht schwierig. Simple Modelle lassen sich bereits durch Aufhäufen von Schnee zu einem Kegelstumpf realisieren. Was die Form hier aber nicht hergibt, muss dann durch die richtigen Accessoires ausgeglichen werden, wie z.B. Kohlestücke für Gesicht und Knöpfe, eine Karotten-Nase, ein Besen, vielleicht auch das eine oder andere Kleidungsstück, wie ein Schal oder ein Zylinderhut.

Modell Kegelstumpf
Modell Kegelstumpf

Der Experte weiß jedoch, dass der Schnee am besten ist, wenn er kurz vor dem Tauen steht, dann lässt er sich nämlich am besten Formen, z.B. zu großen Kugeln rollen, weil er dann gut ‚pappt‘. Am haltbarsten ist der frostige Geselle, wenn es dann in der Nacht nach dem Bauen wieder tüchtig friert und ihm einen soliden Eispanzer verleiht. Falls der Schnee nicht feucht genug dafür ist, kann man ihn auch mit der Gießkanne leicht anfeuchten.

Texas Snow Massacre
Texas Snow Massacre

 

Kleinstschneemann auf dem Fensterbrett -- Danke an Jeannette H.
Kleinstschneemann auf dem Fensterbrett — Danke an Jeannette H.

 

Olaf lebt !
Olaf lebt !

Der Welt größter Schneemann stand übrigens, wen wundert es, im Land, wo es alles in supersized gibt: den USA ! In 2008 errichtete man dort einen 37.2 m hohen Schneegiganten mit Namen Olympia Snowe (zu Ehren der gleichnamigen Senatorin von Maine). Da der Gentleman ja über das Gewicht von Frauen Stillschweigen bewahrt, ist über das Gewicht dieser Giganten nichts überliefert. Ihr Vorgänger aber, „Angus, King of the Mountain“ mit Namen und 34.6 m groß, brachte es angeblich auf ein Gewicht 4080 t. Da muss es also tüchtig schneien, damit man genug Material für so einen Riesen hat.

Ein weiterer prominenter Schneemann, der sogar eine eigene Webpräsenz besitzt, ist Snowzilla aus Anchorage, Alaska. Er ist zwar nicht ganz so groß mit „nur“ 7.6 m Größe, aber er war bereits Mittelpunkt eines politischen Skandals, als die städtischen Behörden in Anchorage sein Wiedererstehen in 2008 fast verhindert hätten.

Quelle: Snowzilla.com

Bei dieser großen Popularität ist es nicht verwunderlich, dass der wohlsortierte Fachhandel verschiedenste Schneemann-zentrierte Paraphrenalien für den Welttag bereit hält:

  • Schneemannbausatz inklusive Schmelzeffekt:
    Schnell mal einen Schneemann kneten, auch wenn draußen kein Schnee liegt. Weiße Knete plus Deko machen’s möglich. Und moderner Forschung sei dank, kann man dann zugucken, wie die das Knetkunstwerk anschließend zerfließt

  • Der Schneemann-Pups:
    Doch Aufgemerkt: Steht der Schneemann auf dem Rasen, ist es schnell passiert, dass er einem auf den selbigen kackt. Zwar ist er stubenrein, aber selten sind ihm Beine gegeben mit denen er auf’s Klo gehen könnte

  • Schneemann-Suppe
    So, jetzt hat das Vieh uns schon die Bude vollgekackt, dann kommt es jetzt zur Strafe in die Suppe. Na gut, dass ist vielleicht ein wenig brutal. Dann greifen wir eben zu folgender Fertigbüchse. Die enthält zwar nur Marshmallow Stücke, dafür müßen aber auch keine Schneemänner sterben.
  • Schneemann-Klo
    Um also dem Schneemann einen standesgemäßen Stuhlgang zu ermöglichen gibt es auch geeignete Maßnahmen:

Also, der WDoSM kann also kommen. Und für die, die auf der Südhalbkugel leben, hier ein kleiner chemischer Gimmick zum Schluss.