Straße der Experimente 2012

May 20th, 2012 No comments

Wie schon öfters erwähnt aktivieren Naturwissenschaften bei manchen Menschen Fluchtinstinkte. Um diesem Phänomen entgegen zu wirken und Ottonormalverbraucher die Wissenschaften schmackhaft zu machen hat die Uni Gießen auch in diesem Jahr die “Straße der Experimente” abgehalten. Da letzten Sonntag bester Sonnenschein herrschte hab ich auch mal dort vorbei geschaut und hab den naturwissenschaftlichen Jahrmarkt vor dem Uni Hauptgebäude mal auf mich wirken lassen.

DSC_1550

Thematisch war das Angebot ebenso vielfältig, wie die Herkunft der Ausstellenden. Vom Kindergarten bis zur Uni alles vertreten. Physik, Biologie und Chemie… Allerdings auch ein Philosophen(?)-Stand. Wie “Lasse deine Philosophie überprüfen” zum Thema Experimente passt überlasse ich dann mal den Experten zur Diskussion.

Fangen wir mal mit der wissenschaftlichen Früherziehung an: So hat ein Kindergarten zur Schau gestellt, welche Auswirkungen es auf das Pflanzenwachstum hat, wenn man den Pflanzen Nährstoffe, Luft oder Wasser entzieht:

DSC_1554

Warum hat es sowas nicht damals auch bei uns im Kindergarten gegeben ? Das wäre doch mal ein lehrreiches Kontrastprogramm gewesen. Bei uns gab es damals nur ABM Maßnahmen wie Ausstechen von verschiedenen Formen aus Pappe. Ein weiteren Pluspunkt gibt es von mir, weil der Versuch mich ein wenig an die Versuche zur Pflanzenernährung des alten Liebig erinnert. Smiley

image

Aus dem Gebiet der Elektrotechnik gab es diese beiden Krabbelviecher. Durch die Rotation eines Propellers in Schwingungen versetzt, krabbeln diese beiden “Borstenviecher” wie eine Art Insekt. Die kleine Variante mit den Augen konnte vor Ort vom Interessierten Besucher zusammengebastelt werden. Wenn es um Wissenschaft zum Anfassen geht, darf natürlich auch das hier in Gießen ansässige Mathematikum nicht fehlen. So hat das Team des Mathematikums einen Teil seiner Exponate Marke “Mathematik zum Anfassen” in einen Pavillion auf der Strasse der Experimente verlagert. Hier z.B. zu sehen ist eine Art Brücke, die ohne Nägel & Schrauben oder andere Befestigungsmaßnahmen das Gewicht eines ausgewachsenen Mannes tragen kann:

DSC_1573

 

Schließlich waren auch die Freiwillige Feuerwehr Gießen und das DRK anwesend um ihre neusten technischen Errungenschaften zu präsentieren. Während die Feuerwehr das Funktionsprinzip eines Druckluft-Hebekissens demonstrierte, gab es beim DRK die Vorführung eines videogestützen Intubationsbestecks für die Großen und eine Verbandsstation für Kuscheltiere für die Kleinen.

DSC_1551 DSC_1575

Etwas wunderlich wurde es erst als ich folgenden Stand besuchte, bei dem die Nullpunktsenergie des Quantenvakuums/Raumenergie (oder so ähnlich) als wahrhaft unerschöpfliche, kostengünstige und allgemein zugängliche Energiequelle angezapft wurde. Mittels eines Rotors in einem elektrostatischen Feld wird dort “zweifelsfrei die Umwandlung von Raumenergie in herkömmliche Energie mit einem Wirkungsgrad von 5000 %” demonstriert (so beschreibt es der mir ausgehändigte Infozettel). 5000 %… Das ist schon eine enorme Zahl. Schlägt man jedoch nach so findet man folgendes:

Maschinen mit Wirkungsgraden größer oder gleich 100 % werden auch als Perpetuum Mobile bezeichnet. Solche Maschinen können aufgrund von fundamentalen Überlegungen (Energiesatz, Hauptsätze der Thermodynamik) nicht existieren. Deshalb können Wirkungsgrade von über 100 % in der Realität nicht auftreten. Wenn in der Praxis manchmal trotzdem Wirkungsgrade von über 100 % angegeben werden, so ergeben sich diese aus Berechnungen, die nicht alle Energieanteile berücksichtigen.

– Wikipedia: Wirkungsgrad

Öh… Ja… Perpetuum Mobile ? Da ist selbst mir als Nicht-Physiker bekannt, dass sowas unmöglich ist. Wir stellen also fest: Im günstigsten Fall hat besagter Anbieter zumindest ein Definitionsproblem auf seinem Handout. Tja, warum nun wird diese magische Raumenergie nicht erforscht ? Dies schreibt der Betreiber des Stands den schändlichen Machenschaften der Energiekonzerne zu. Für meinen Geschmack doch etwas sehr esoterisch.

DSC_1581

Ok, jetzt aber Bühne frei für die Chemie. Große Chemie-Zaubershow zum Thema Wasser präsentiert von den Herren Professores Göttlich und Schindler.

DSC_1593

Die Bandbreite reicht von Riesenseifenblasen über Transformation von Wasser zu Wein (war Jesus etwa auch Chemiker ?) bis hin zum Entzünden von Feuer mittels Wasser. Wir sehen also, für jeden Geschmack was dabei. Auch der beliebte Cola+Mentos-Fontänen-Versuch wird vorgeführt. Und wir sehen auch, wie die Profis dies machen: Mittels einer aus der Ferne bedienbaren Startvorrichtung, damit der blütenweiße Kittel keine braunen Flecken kriegt.

DSC_1625 DSC_1629

Oder man erfährt das Geheimnis, wie man 3 große Gläser Wasser in einer Babywindel verschwinden lassen kann und völlig ohne Kälte aus Wasser “Schnee” erzeugen kann:

DSC_1611

DSC_1612

Ja, da macht es auch dem Fachmann spaß zuzugucken. Nix geht schließlich über eine gute Show. Da ist nicht nur das Fettnäpfchen Feuer & Flamme.

DSC_1663

Mit diesen Eindrücken von der Straße der Experimente gebe ich zurück ins Funkhaus.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (No Ratings Yet)
Loading ... Loading ...
Categories: Chemie, Event, Uni, Unterwegs Tags: , , , ,

Schlangenbeschwörung

April 22nd, 2012 No comments

Ja, was der Mensch nicht so alles macht um sich am Freitagabend die Zeit zu vertreiben. Schlange stehen wird jedoch selten als Freizeitbeschäftigung gezählt. Gehört aber offenbar zum Erlebnis, wenn man hier in Gießen schwofen (d.h. tanzen) gehen will. Zumindest wenn man sich dazu ins Ulenspiegel begibt, frei nach dem Motto “Was in Bus und Bahn Überfüllung heißt, wird in der Disko Atmosphäre genannt”.

 

21:25

Mit zügigem Schritt beschreite ich den Seltersweg aus Richtung Elefantenklo kommend. Bereits hier beschleicht mich eine ungute Vorahnung. Hoffentlich muß ich gleich nicht Schlange stehen. Immerhin stehen die potentiellen Diskogänger noch nicht bis um die Ecke. Leise Hoffnung keimt in mir auf…

21:27

Oha… Nicht gut. Die Schlange reicht schon von der Tür die Hälfte der Gasse vor dem Ulenspiegel hinunter. Per Telefon instruieren die Kollegen mich, schon mal einen Platz in der Schlange freizuhalten.image

21:35 Meine Kollegen treffen ein.
21:45

Gerade mal gefühlte 50 cm voran gekommen. Was ist denn da vorne am Eingang los ? Wir stellen Fest, das Weg-Zeit-Gesetz für Mensaschlangen gilt auch für Diskos/Musikkeller: Die durchschnittliche Vorschubgeschwindigkeit beträgt 1 Angström/Woche.

image

21:46 Ein 2er Trupp spaltet sich aus unserer Gruppe ab, um die Schlange in einem verwegenen Manöver zu umgehen.

21:55

Ein zweiter Trupp folgt nach. Da wir beide Trupps vorerst nicht wiedersehen, muss davon ausgegangen werden, dass das Manöver erfolgreich war.

22:00

imageWarum gibt es hier draußen keinen Getränkeausschank ? Das benachbarte Lokal müsste nur das Fenster öffnen um Getränke nach draussen an die Schlange zu verkaufen.

22:05

Leider hat die Kollegin ihre Flasche mit dem Stinkeschwefel im Labor gelassen, so dass wir das Gedränge nicht mit Hilfe der atemberaubenden Kraft der Schwefelnukleophile auflösen können.

22:15

Hinter uns beschließt man die Wartezeit mit einer Zigarette zu verkürzen. Ein Kollege stellt fest, das der Kampf gegen den Krebs den wir Naturwissenschaftler täglich im Labor vorantreiben eigentlich nutzlos ist, wenn man sich freiwillig auf beengten Raum einräuchern lässt.

22:16 imageIch kriege Angst um meine Jacke. Zigaretteninduzierte Brandlöcher sind nicht sehr kleidsam.
22:22

Land in Sicht. Man kann endlich die Tür sehen. Doch, nanu ? Innen drin ist es noch erstaunlich leer. Versucht man sich als super-angesagter Club zu präsentieren indem man künstlich eine Schlange provoziert ?

22:30 Uff. Mir langts. Eine Stunde versuchen wir nun dort rein zukommen. Ich trete den Rückzug an… Jedoch… Vorne Leute, hinten Leute, an der Seite… Mist, ich bin gefangen.
22:38 imageWelcher Experte hat den Eingang eigentlich in Form eines Trichters gebaut ? Von hinten wird mittlerweile auch tüchtig geschoben. Den glatzköpfigen Türsteher (irgendwie sehen die alle gleich aus) scheint das aber nicht zu stören. Der sitzt drinnen und beobachtet durch die halbgeschlossene Tür, dass keiner die Absperrkette übersteigt.
22:46 Der Kollege neben mir ist mittlerweile mit den Dränglern ins Gespräch gekommen. Hier lernt man zwangsläufig neue Leute näher kennen, als einem das mitunter lieb ist. Besonders wenn diese schon vorgeglüht haben. Hätte ich vielleicht auch tun sollen, dann wäre das Gespräch bestimmt lustiger.
22:50

2,50 m vor der Tür. Einem Mädel hinter mir gehen die Nerven durch. Sie fängt unter lautem Gezeter hektisch an über die Absperrung zu klettern. Kein Wunder auch mir wird bei diesem Gedränge langsam mulmig.

23:02 imageOh Wunder. Endlich drin. Und gleich knöpft man mir 3 EUR Eintritt ab. Ganz schön frech. Erst so einen unnötigen Palaver am Eingang erzeugen und dann erst mal kassieren. Ja, was der Mensch nicht so alles macht um sich am Freitagabend die Zeit zu vertreiben…
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (1 votes, average: 5.00 out of 5)
Loading ... Loading ...
Categories: Übrigens..., Unmut, Unterwegs Tags: , , ,

In den Klauen von Cybergangstern

March 15th, 2012 No comments

Wie die Überschrift bereits suggeriert kommt heute mal wieder ein Beitrag aus der Kategorie Unmut. Da arbeitet man im einen Moment an der Chemikaliendatenbank, wendet sich kurz ab und im nächsten Augenblick stellt man fest, dass wie von Geisterhand der Computer lahmgelegt wurde. Gottseidank nicht mein Rechner, sondern einer der Gemeinschaftscomputer in unserem Schreibraum.

troja

(Zum Vergrößern klicken)

Auf einem recht offiziell aussehenden Sperrbildschirm wird behauptet, dass der Computer zum Austausch illegaler Pornografie und für terroristische Umtriebe mißbraucht wurde und deswegen jetzt bis zur Einzahlung einer Strafe von 100 EUR gesperrt bleibt. Angeblicher Absender die National Cybercrimes Unit der Bundespolizei. Der Bundestrojaner lässt grüßen. Kompetenz-Zentrum zur Abwehr von Cybergefahren klingt eher nach Behördendeutsch. Nun, selbst wenn man noch nicht aus den Medien von diesem Auswuchs hinterhältigen Cybergangstertums gehört hat, sollte einem spätestens bei der näheren Überprüfung des Bildschirms folgendes auffallen: Erst einmal ist die Rechtschreibung etwas gewöhnungsbedürftig. Verflichtung ? Wohl eher nicht. 100 EUR Strafe für Terrorismus ? Kommt mir seltsam billig vor. Außerdem hätte ich erwartet, dass potentielle Terroristen die Strafaufforderung persönlich überbracht kriegen. Und dann auch nicht zahlbar über einen anonymen Bezahldienst wie UKash. Schließlich ist da auch noch die mehr als verdächtige E-imageMail-Adresse …@inter-bundeskriminalamt.eu. Kurzum: Die Sache stinkt zum Himmel. Es handelt sich um die neueste Version des sogenannten BKA-Trojaners. Nun stellt sich die Frage, wie dieser Fall von Ransomware (ransom, engl. für Lösegeld) seinen Weg auf den Rechner fand. Immerhin lässt die Uni ja ihre Rechner vom Virenscanner der Marke Sophos beschützen. Da braucht man dieses Programm, welches den Rechner mit seinen täglichen Updates stark ausbremst, ein einziges Mal und dann versagt es.

Zum Glück haben wir einen tüchtigen Hauselektroniker, der nach etwas Basteln unseren Rechner wieder flott gemacht hat. Für den Fall, dass der geneigte Leser auch mal mit diesem lästigen Phänomen, dass auch von unverdächtigen Webseiten übertragen werden kann, Kontakt haben sollte, findet man auf der Seite Scareware.de Rat, wie man seinen Rechner wieder flott macht.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (No Ratings Yet)
Loading ... Loading ...
Categories: Im Netz, Unmut Tags: , , ,